Viele Unternehmen wiegen sich in Sicherheit, sobald sie eine „begriffsorientierte" Terminologiedatenbank eingeführt haben. Die Logik klingt simpel: Ein Konzept erhält eine eindeutige ID, und darunter werden Definitionen, Bilder sowie erlaubte oder verbotene Synonyme und Übersetzungen gespeichert. Doch wer glaubt, das Problem sei damit gelöst, erlebt in der Praxis oft eine Überraschung. Missverständnisse in der technischen Dokumentation und Fehler im Translation Memory entstehen meist genau hier – an einer zu unscharfen Definition dessen, was ein „Begriff" eigentlich umfasst.
Die versteckte Falle: Das Problem der Quasi-Synonyme
Es wird fälschlicherweise angenommen, dass alle Wörter, die unter derselben ID erfasst sind, inhaltlich zu 100 % identisch sind. Bei „Schraubenzieher" und „Schraubendreher" mag das stimmen. Doch wie sieht es mit „Abstandsring" und „Abstandsscheibe" aus? In vielen Datenbanken werden sie als Synonyme geführt, obwohl sie geometrisch und funktional andere Bauteile beschreiben.
Noch kritischer wird es bei der Internationalisierung:
- Ein deutsches „Abluftsystem" wird im Englischen entweder zum „exhaust air system" (wenn es um reine Abgase geht) oder zum „ventilation system" (wenn es um Raumluft geht).
- Wer diese sprachlichen Realitäten ignoriert und stur 1:1 gleichsetzt, provoziert folgenschwere Fehler bei der Übersetzung und im anschließenden Post-Editing.
Praxis-Tipps für Ihr Terminologie-Management
- Semantische Komponentenanalyse nutzen: Zerlegen Sie kritische Benennungen in harte Merkmale (z. B. Funktion, Material, Steuerung). Nur wenn alle Merkmale übereinstimmen, handelt es sich um echte Synonyme.
- Mut zur Lücke (Fuzzy-Äquivalenz): Akzeptieren Sie, dass Sprachen die Realität anders aufteilen. Wenn die Unterschiede prozesskritisch sind, legen Sie lieber zwei sauber getrennte Begriffe an.
- Technische Prüfmechanismen erzwingen: Konfigurieren Sie Ihre QS-Tools (z. B. ErrorSpy) so, dass sie bei kontextabhängigen Wörtern aktiv Warnmeldungen ausgeben.